Was Kinder beim Bauen über Statik lernen
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Beim Bauen lernen Kinder Statik nicht als Theorie, sondern als Erfahrung: Sie probieren aus, sehen die Folge sofort und passen ihr Vorgehen an. Aus diesem Kreislauf entsteht ein Gefühl dafür, welche Konstruktion trägt und welche nicht, lange bevor ein Kind Wörter wie Kraft oder Gleichgewicht benutzt.
Räumliches Denken
Wer einen Bogen baut, muss sich vorstellen, wie ein Stein im fertigen Bauwerk liegen wird, bevor er ihn hinlegt. Das ist räumliches Denken, und es lässt sich trainieren. Eine Interventionsstudie mit Kindergartenkindern zeigte, dass gezielte Bauaktivitäten ihre räumlichen Fähigkeiten messbar verbesserten, besonders wenn das Bauen in eine Geschichte eingebettet war. Das passt zu einer einfachen Beobachtung: Ein Kind, das eine Brücke für seine Spielfiguren baut, denkt intensiver über Form und Stabilität nach als eines, das nur Steine aufeinandersetzt.
Quelle: Casey, B. M., Andrews, N., Schindler, H., Kersh, J. E., Samper, A., & Copley, J. (2008). The development of spatial skills through interventions involving block building activities. Cognition and Instruction, 26(3), 269–309.
Erste Mathematik
Räumliches Denken und Mathematik hängen eng zusammen. Wenn ein Kind Segmente zu einem Halbkreis legt, vergleicht es Längen, schätzt Winkel ab und teilt eine Fläche auf, auch ohne zu rechnen. Eine kontrollierte Studie ließ Vorschulkinder über einige Wochen regelmäßig in kleinen Gruppen bauen und fand danach Verbesserungen in Mathematik und in den Exekutivfunktionen. Besonders profitierten Kinder aus Familien mit weniger Bildungsressourcen. Bauen ist damit kein Ersatz für Mathematikunterricht, aber eine Vorstufe, die das Fundament legt.
Quelle: Schmitt, S. A., Korucu, I., Napoli, A. R., Bryant, L. M., & Purpura, D. J. (2018). Using block play to enhance preschool children's mathematics and executive functioning: A randomized controlled trial. Early Childhood Research Quarterly, 44, 181–191.
Planen und Umplanen
Einen Bogen zu bauen heißt, mehrere Schritte im Kopf zu behalten: Erst die Auflager, dann die Seiten, zuletzt der Schlussstein. Stürzt etwas ein, muss das Kind seinen Plan ändern. Genau diese Fähigkeit, einen Plan zu fassen, festzuhalten und bei Bedarf zu verwerfen, gehört zu den Exekutivfunktionen, die als Vorläufer für schulisches Lernen gelten. Bauspiel mit Material, das auch mal kippt, fordert diese Fähigkeit stärker als ein Bauplan, der nur abgearbeitet wird.