Wo Selbstwirksamkeit herkommt — die vier Quellen
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Bandura hat in derselben Arbeit, in der er den Begriff einführt, vier Quellen beschrieben, aus denen Selbstwirksamkeit entsteht. Eine davon ist mit Abstand die stärkste. Die anderen helfen, ersetzen sie aber nicht.
Bewältigungserfahrungen — selbst geschafft
Die wichtigste Quelle. Ein Kind versucht etwas, scheitert mehrmals, schafft es schließlich. Diese Erfahrung sitzt tiefer als jede Ermutigung von außen.
Ich kenne das aus der Werkstatt. Ein Stein gelingt nicht beim ersten Mal. Die Form füllt sich nicht gleichmäßig, die Kanten brechen, ich gieße neu. Beim fünften Stein passt es. Was bleibt, ist nicht der Stolz auf den fünften Stein. Was bleibt, ist die Annahme: bei den ersten Versuchen kann es schiefgehen, am Ende geht es.
Bei Kindern läuft dasselbe — wenn man sie lässt. Mein Sohn baut einen Bogen aus den Steinen. Beim ersten Mal kippt er. Beim zweiten Mal auch. Beim siebten Mal steht er. Wenn ich beim zweiten Versuch eingegriffen hätte, wäre der Bogen früher gestanden — aber die Bewältigungserfahrung wäre weg gewesen. Eine Studie aus dem schulischen Kontext zeigt: Mastery-Erfahrungen sind die quantitativ stärkste Quelle für Selbstwirksamkeit, deutlich vor allen anderen Faktoren.
Aktuelle Forschung zur Frustrationstoleranz bei Kindern beschreibt denselben Mechanismus von der anderen Seite: Bewältigung setzt voraus, dass das Kind im Frust bleibt, statt aufzugeben.
Beobachtungslernen — von anderen abgeschaut
Die zweite Quelle: Kinder sehen anderen Kindern beim Gelingen zu. Wenn das Kind, das zuschaut, sich dem beobachteten Kind ähnlich genug fühlt, denkt es: das könnte ich auch.
Das ist auch der Grund, warum Vorführungen von Erwachsenen weniger wirken als Mitspielen mit Gleichaltrigen. Das Kind schaut sich an einem fünfjährigen Geschwisterkind beim Bauen mehr ab als an mir, weil es denkt: was der kann, kann ich auch.
Verbale Überzeugung — was Bezugspersonen sagen
Die dritte Quelle, oft überschätzt. Ja, es macht einen Unterschied, ob jemand zum Kind sagt „du schaffst das schon" oder „lass mal, ich mach das." Aber: verbale Ermutigung wirkt nur, wenn sie glaubwürdig ist. Wenn das Kind das Vertrauen in die Person hat, die das sagt — und wenn die Aussage realistisch ist.
„Du kannst alles werden" wirkt nicht. „Bei den letzten drei Versuchen hast du das hinbekommen, der hier müsste auch klappen" wirkt sehr wohl. Der Unterschied ist die Spezifität. Pauschallob ohne Bezug zur konkreten Aufgabe nutzt nichts.
Innere Erregung deuten
Die vierte Quelle ist die unsichtbarste. Kinder spüren körperlich, wenn sie unter Druck stehen — Herzklopfen, Magen, Hände. Wie sie diese Empfindungen interpretieren, beeinflusst ihre Selbstwirksamkeit.
Das eine Kind deutet das Herzklopfen vor einem Klettergerüst als „mir ist mulmig, also kann ich's nicht." Das andere Kind deutet es als „bin gerade aufgeregt, das ist normal, ich versuche es trotzdem." Beide spüren dasselbe — sie ziehen unterschiedliche Schlüsse daraus. Diese Deutung lässt sich lernen, wenn jemand sie beim Kind benennt.
Quelle: Usher, E. L., & Pajares, F. (2008). Sources of self-efficacy in school: Critical review of the literature and future directions. Review of Educational Research, 78(4), 751–796.